IBDIS.Neues bei Morbus Crohn (ger.)

Univ.Prof.DI.Dr.Harald Vogelsang Universitätsklinik für Innere Medizin IV, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Medizinische Universität Wien

Bei CED - PatientInnen ist zur Differentialdiagnose und Bestimmung der Krankheitsausdehnung eine Untersuchung des Dünndarmes nötig. Bisher war dies mit Röntgen (Enteroklysma , Computertomographie); Magnetresonanztomograpie (MRI), oder Sonographie möglich. Seit etwa 2002 gibt es die Möglichkeit mittels KAPSELENDOSKOPIE den Dünndarm zu untersuchen. Diese Untersuchung wird derzeit nur für einzelne PatientInnen in Frage kommen.
TECHNIK UND DURCHFÜHRUNG
Für die Untersuchung muß die PatientIn eine Kapselkamera etwa in der Größe einer Vitamintablette ( 26 x 11 mm ) schlucken.

Diese Kamera sendet dann während 8- 10 Stunden 2 Bilder pro Sekunde an einen Datenrekorder, den die PatientIn an einem Gürtel trägt. Auf die Bauchhaut werden kleine Elektroden - ähnlich wie beim EKG - aufgeklebt, die ebenfalls mit dem Rekorder verbunden sind.


Während der Untersuchung spürt die PatientIn die Kapsel nicht ; sie kann sich frei bewegen, jedoch sollten Tätigkeiten die ein Verrutschen der Elektroden verursachen können vermieden werden. Nach dem Ende der Untersuchung wird der Gürtel mit dem Datenrekorder entfernt und die PatientIn kann entassen werden. Bei etwa 80 % der Untersuchungen erreicht die Kapsel in der Aufzeichnungszeit das Colon, sodaß der gesamte Dünndarm untersucht wird. In einem Drittel der Fälle ist die Untersuchung durch trüben Darminhalt beeinträchtigt. Die Kapsel selbst wird auf natürlichem Weg mit dem Stuhl ausgeschieden. In den meisten Fällen geschieht das innerhalb der ersten 3 Tage nach der Untersuchung.
VORBEREITUNG
Für die Untersuchung ist keine spezielleVorbereitung nötig.Die PatientInnen sollen am Vortag ballaststofffrei essen ( kein Obst,Gemüse oder Salat ), reichlich trinken. Bis etwa 20 Uhr können sie eine leichte Mahlzeit einnehmen und danach bis Mitternacht klare Flüssigkeit trinken. Ab Mitternacht müssen sie fasten. Zum Schlucken der Kapsel bekommen die PatientInnen einen Becher Wasser, 2 Stunden nachher können sie trinken und nach ca 4 Stunden eine leichte Mahlzeit essen. Bei einzelnen PatientInnen werden zur Vorbereitung auch 1 bis 2 Liter Salzwasser verabreicht. Die Kapsel dient nur der Untersuchung des Dünndarms und kann derzeit leider die Gastroskopie und Coloskopie nicht ersetzen. Vor der Kapselendoskopie müssen Dickdarm und Magen untersucht werden und bei Verdacht auf Stenose muß auch ein Röntgen des Dünndarms durchgeführt werden.
INDIKATIONEN
Die Hauptindikation für Kapseluntersuchungen - bei welcher auch die besten Ergebnisse erzielt werden - ist die unklare Blutung aus dem Dünndarm. Zunehmend werden aber auch Studien publiziert, die die Nützlichkeit der Kapselendoskopie bei PatientInnen mit CED bestätigen. Besonders in der Differentialdiagnose bei unklarer Colitis oder bei Morbus Crohn mit Dünndarmbefall kann sie in einzelnen Fällen wichtige Befunde liefern.
KOMPLIKATIONEN
Komplikationen sind bei Kapselndoskopien sehr selten .Die wichtigste ist die Retention der Kapsel - das sogenannte Steckenbleiben ( non natural excretion ) - welche in weniger als 0,5% der Untersuchungen beschrieben wird. Die PatientInnen sind in der Regel trotz nicht ausgeschiedener Kapsel beschwerdefrei, aber nach einiger Zeit muß die operative Entfernung überlegt werden. In den publizerten Fällen war im Rahmen der Operation jedoch immer auch das Problem der PatientInnen ( Stenose ) zu beseitigen. Gefahr für die PatientInnen durch Auflösen der Kapsel oder Austritt schädlicher Substanzen besteht jedoch für mehrere Wochen bis Monate nicht. Eine neue Entwicklung die " patency capsule " wird bei diesem Problem in Zukunft hilfreich sein. Dabei handelt es sich um eine Kapsel ohne Kamera jedoch in exakt gleicher Größe ,die sich jedoch bei längerer Verweildauer im Darm auflöst.Wenn diese Kapsel den Darm problemlos intakt passiert kann die Kapselkamera gefahrlos eingesetzt werden. Das zweite noch seltenere Problem sind mögliche technische Defekte, die zu einer fehlerhaften oder fehlenden Bildübertragung führen können und eventuell eine neuerliche Untersuchung nötig machen.
KONTRAINDIKATIONEN
Bei bekannten Stenosen soll keine Untersuchung durchgeführt werden. Vorsicht ist geboten bei PatientInnen mit Herzschrittmachern, obwohl kein einziger Bericht über elektrische Interaktionen publiziert wurde. Über Untersuchungen in der Schwangerschaft liegen keine Daten vor. Die Kapselendoskopie ist bei Kindern problemlos durchführbar.
ZUKUNFTSAUSSICHTEN
Derzeit wird an vielen technischen Verbesserungen und Neuerungen gearbeitet, die vielleicht in Zukunft weitere Einsatzmöglichkeiten für Kapselendoskopie ermöglichen werden.

Gedacht ist an Untersuchung von Ösophagus, Magen, Colon, aber auch an bessere optische Auflösung, chemische Anaslysen, steuerbare Kapseln und zuletzt auch an Möglichkeiten für therapeutischen Einsatz. Was davon verwirklicht werden kann wird die Zukunft zeigen.